Blaue Blume Newsletter – „Dunkelheit und Rückzug“

Liebe Winterblumen,
 

wieder hat das Rad des Jahres sich in die Dunkelheit gedreht … In der Zeit der nebelverhangenen Tage löst sich die Grenze zwischen Licht und Schatten auf. Formen und Farben verschwimmen. Stille liegt über dem Land und das Leben ruht tief im Schoß von Mutter Erde.
 

Frostige Tage im Kulturpark Stolpe

Die äußere Welt tritt in den Hintergrund, um Platz zu machen für die innere. Es ist die Welt des Ungeborenen und des längst Vergessenen, die sich uns in Visionen und Symbolen offenbart, um aus dem Stoff der Vergangenheit die Zukunft zu weben“

(Holunder – anonyme Autorin)


In der vergangenen Woche haben wir mit einer Schar von gut 20 Menschen aus dem Kreis der Blauen Blume im Kulturpark Stolpe versammelt, um 4 Tage miteinander Samhain – das Fest der Ahnen zu feiern. Den Legenden nach ist in der Nacht vom 31.10. auf den 01.11. der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Verstorbenen offen.
Der Tod und der Umgang mit den Verstorbenen hat im Alltag der meisten Menschen heute wenig Raum. Es gibt kaum noch Gelegenheiten und Rituale, in denen wir uns mit denen beschäftigen, die uns vorausgingen. Dabei haben uns unsere Ahnen und ihre Themen oft mehr geprägt als wir es … ahnen. Glaubenssätze und Perspektiven, Wunden und Geheimnisse, Motivationen und Motive … all dies kann uns fest in den Knochen und in den Zellen sitzen und wir tragen es mehr oder weniger bewusst von Generation zu Generation.

Auch in der christlichen Tradition werden mit Allerheiligen und Allerseelen diese Themen Anfang November aufgegriffen.
Zu Samhain haben die RitualgestalterInnen der Blauen Blume auf der Basis von Symbolen, überlieferten Ritualteilen und systemischer Praxis eine eindrucksvolle gemeinsame Performance geschaffen.


Wir haben intensive Zeiten fast im Schweigen mit den Gedanken an unsere Vorfahren verbracht. Wir haben mit Ihnen gegessen und sind mit den Gedanken an unsere Eltern, Freunde, Geschwister Großeltern und Urgroßeltern, die schon gegangen sind, spazieren gegangen und haben uns ausgetauscht über die Erinnerungen. Mit dem Film „Griefwalker“ haben wir uns auch mit dem Thema des eigenen Todes und der Trauerarbeit beschäftigt.


Die Wiederbelebung solcher Traditionen ist noch ein Experiment für viele und fühlt sich ungewohnt an, zugleich wird spürbar, dass dieses Mitgehen mit den Zyklen der Natur, mit dem Rhythmen des Lichtes und der Dunkelheit und den Themen von Werden, Erblühen und Vergehen eine berührende Kraft innewohnt.


Unser Ahnen Altar


Wir haben unsere Zusammenkunft der Blumen auch genutzt, um Gemeinschaft zu leben mit denen, die im Verein sind und denen die sich von der Idee der „Wiederverzauberung der Welt“ angezogen fühlen. Das Gefühl gemeinsam zu leben und auch die zum Teil intensiven Themen zu teilen, ist für uns Freigeister in einer Vereinzelungsgesellschaft beglückend und verunsichernd zugleich. Sehr aufmerkam haben wir die Bewegungen und Reibungspunkte der Wünsche nach Individualität und der Sehnsucht nach Gemeinschaft beobachtet.


Der Kulturpark Stolpe war und ist dafür ein besonderes geeigneter Ort. Es handelt sich um ein altes Zementwerk aus DDR-Zeiten. Ein Ort, der auf Wiederbelebung wartet und vielleicht auch Wiederverzauberung – mehr dazu in einem der folgenden Newsletter.

Die Blumen erobern das ZementwerkAnkündigung:

Nächstes Community-Event für Vereins Mitglieder und Freunde wird die Wintersonnenwende (20.12. - 22.12.2019) sein und wieder im Kulturpark Stolpe stattfinden.


Was ist das Thema der Wintersonnenwende?

Die Zeit des Winters ist die Zeit der Verwandlung, die sich ganz langsam und unmerklich in der Dunkelheit vollzieht. Unter der harten Decke aus Eis regt sich zaghaft der junge Keim, aus dem das neue Leben sprießen wird. Denn in der dunkelsten Nacht kehrt die Sonne zurück und mit ihr das Versprechen der Wiedergeburt. Die Menschen entzünden unzählige Lichter, um der Erdenmutter bei der Geburt des Sonnenkindes beizustehen.

In der dunkelsten Nacht des Jahres stehen wir an einem Wendepunkt. Die Rückkehr des Lichtes kündigt sich an. Diese Zeit des Julfestes kennen wir als Weihnachtszeit. Heute in der Zeit der beheizten Wohnungen und dem Überfluss an Lebensmitteln ist es manchmal schwer nachzuvollziehen, aber es war die Zeit, wo die Vorräte langsam knapp werden konnten. Dennoch ist überliefert, dass zur Feier der Wiederkehr des Lichtes die dickesten Holzscheite verbrannt wurden, aus den verbliebenen Vorräten wurden Süßigkeiten gebacken und großzügig verschenkt

Darin liegt ein tiefes Vertrauen .. ein Vertrauen auf den nächsten Zyklus. Wenn das Licht zurückkehrt, erleben wir die Rückkehr in die Fülle. Die Keime in der Erde werden ans Licht gerufen, um uns zu ernähren und mit ihrer Schönheit zu erfüllen.

Die Blaue Blume wünscht uns allen eine feine Zeit des Rückzugs
in die Tiefen einer wundervollen Dunkelheit und ein schönes Erspüren der Keime, die in uns auf ein Erblühen wartet!